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5 FRAGEN AN… #2: Kaufmännischer Direktor Peter Eltrop
Der Kaufmännische Direktor der Klinik, Peter Eltrop.
Peter Eltrop ist der Kaufmännische Direktor der Klinik.

Herr Eltrop, die Gesellschaft, in der wir leben, hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Die Familienstrukturen sind loser geworden, der Druck für Kinder und Jugendliche in Schule und Ausbildung ist höher als früher. Gleichzeitig sind die Vorbehalte in der Gesellschaft gegenüber der Kinder- und Jugendpsychiatrie offenbar gesunken. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Peter Eltrop: Die Psychiatrie hat sich geöffnet. In der Gesellschaft allgemein, aber auch im Kleinen. Wir haben uns in Hamm in den vergangenen 15 Jahren sehr nach außen gewandt und erklären den Menschen unsere Arbeit. Da hilft ein so einfaches Mittel wie ein jährlicher Tag der offenen Tür sehr. Wir können damit viele Leute erreichen und ihnen die Berührungsängste zumindest zum Teil nehmen.

Sie öffnen sich, zugleich verändern sich die Anforderungen. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Peter Eltrop: Wir müssen sehr flexibel sein, um den zum Teil drastisch veränderten Anforderungen gerecht werden zu können. In den vergangenen Jahren haben sich unsere Strukturen stark verändert. Zwei Beispiele dafür: Die Verweildauern haben sich in den letzten Jahren massiv reduziert. Gleichzeitig ist der Anteil der Akutaufnahmen drastisch gestiegen. Auf diese beiden Trends haben wir im gesamten Haus reagiert. Um den Zugang zur Klinik kundenfreundlicher und effizienter zu organisieren, haben wir das Aufnahmemanagement zentralisiert. Die Funktion einer Aufnahmeassistenz, die permanent bis 18.00 Uhr besetzt ist, wurde neu geschaffen und der Institutsambulanz angegliedert. Somit können Aufnahmeersuchen direkt von einer zentralen Stelle entgegengenommen werden, je nach Schwere des Krankheitsbildes priorisiert und wenn nötig auf die zuständige Station vermittelt werden. Weil sich durch die gewollte Reduzierung der Behandlungsdauern die Aufnahmezahlen deutlich erhöht haben, setzen wir zusätzlich Bereichsassistentinnen ein, in der Regel Arzthelferinnen, die die ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten, damit diese mehr Zeit für die persönliche Zuwendung an den Patienten gewinnen.

Die Kinder und Jugendlichen sind bei Ihnen bis zu mehreren Wochen und verbringen in Hamm auch ihren Alltag. Wie strukturieren sie diese vielen Tage und Stunden?

Peter Eltrop: Neben umfangreichen Therapieangeboten, wie z.B. Einzel- und Gruppentherapien, Psychomotorik, Ergotherapie, tiergestützte Therapie usw. gehen die Patientinnen und Patienten auch auf unsere klinikeigene Schule. Das strukturiert ihren Tag sehr gut, gleichzeitig werden sie auf das Leben nach der Klinik vorbereitet. Wir bauen das Schulgebäude übrigens gerade neu, der LWL investiert 6,9 Mio. Euro in dieses Projekt. Unsere Schule ist das letzte Gebäude, das noch aus der Anfangszeit stammt. 2017 soll der Neubau fertig sein.

Wie schaffen Sie es, bei Ihrem großen Einzugsgebiet für eine wohnortnahe Behandlung zu sorgen? Peter Eltrop:

Peter Eltrop: Wir bauen seit 15 Jahren unsere Tageskliniken aus. An bisher fünf Standorten – und damit auch immer häufiger in der Nähe der Familien – bieten wir insgesamt 60 Plätze an. Es besteht auch die Möglichkeit, dort ambulant weiter zu behandeln. So sind wir in der Lage eine Versorgungskette von ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten vorzuhalten, um die Verweildauern im stationären Bereich so kurz wie möglich zu halten.

Mit einem neuen Abrechnungssystem rollt eine weitere Veränderung auf die Psychiatrien in Deutschland zu. Was steckt hinter dem so genannten „Pauschalierenden Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik“, kurz PEPP – und was bedeutet es aus Ihrer Sicht für die Arbeit in der Klinik?

Peter Eltrop: Die bisherigen Diskussionen und Untersuchungen im Rahmen der Entwicklung eines neuen Entgeltsystems haben gezeigt, dass eine reine Preisorientierung wie sie im PEPP-System vorgesehen ist, für die psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Versorgung nicht geeignet ist. Die Finanzierung der Behandlung sollte daher verstärkt auf die Versorgungs- und Leistungsstrukturen sowie regionale bzw. krankenhausindividuelle Elemente ausgerichtet werden. Aufgrund des neuen Entgeltsystems würden wir für alle Patienten bundesweit, je nach Diagnose, die gleichen Erlöse erhalten, obwohl auch bei gleicher Diagnose die Patienten aufgrund zum Beispiel ihrer sozialen Einbindung, Familienstruktur usw. unterschiedliche Bedürfnisse haben. Für uns würde die Einführung von PEPP zwangsläufig zu einer Reduktion unserer Leistungsangebote führen. Wir halten daher individuelle Klinikbudgets für deutlich sinnvoller.