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SCHWERPUNKTE #5 (1/2): Einblicke in Fachtherapien – Vernetzt therapieren
Ein Mann in einer Werkstatt bearbeitet mit Hammer und Beitel eine Holzfigur, eine blonde junge Frau steht daneben und beobachtet.

Sich in etwas vertiefen, kreativ sein, Neues dazulernen, etwas erschaffen, spielerisch soziale Fähigkeiten erweitern, sich entspannen: Diese Aktivitäten bauen Selbstbewusstsein auf, sie fördern die Konzentration, lenken von kreisenden Gedanken ab und tragen zu einem größeren Wohlbefinden bei. Die Fachtherapien in der LWL-Uniklinik Hamm, deren Akteure disziplinenübergreifend zusammenarbeiten, bieten den Patientinnen und Patienten diese Möglichkeiten. Sie ergänzen die psychiatrischen Therapieformen.

EIne junge Frau liegt entspannt in einer bunten Hängematte, eine Therapeutin schaukelt sie leicht an.

Entspannungsübungen sind ein Bestandteil der Heilpädagogik.

Wenn ein Mensch erkrankt, können bestimmte Fähigkeiten verloren gehen, die vorher ganz selbstverständlich zum Alltag gehörten – zum Beispiel kleine Bewegungen, die beim Essen, Anziehen oder bei der Körperpflege unbewusst ausgeführt werden. Auch psychische Erkrankungen schränken nicht selten körperlich ein. Bei Kindern bilden sich wegen psychischer Störungen manche grob- oder feinmotorischen Fertigkeiten gar nicht erst richtig aus. In der Ergotherapie helfen die Therapeutinnen den Patienten gezielt dabei, verloren gegangene Fähigkeiten wieder zu erlernen oder durch andere Bewegungsmuster zu ersetzen und so auszugleichen. Nach und nach werden die jungen Menschen selbstständiger und selbstsicherer.

Das gleiche Ziel hat die Arbeitstherapie: Behandelte sollen zu Handelnden werden. „Selber machen lernen“ lautet die Devise, egal, ob durch Filzen und Nähen etwas erschaffen wird oder durch die Arbeit an und mit Holz. Auch mechanische Fähigkeiten werden bei den Patientinnen und Patienten geschult, zum Beispiel beim Fahrräder reparieren.

Ein Mann in einer Werkstatt bearbeitet mit Hammer und Beitel eine Holzfigur, eine blonde junge Frau steht daneben und beobachtet.

In der Arbeitstherapie können Jugendliche selbst etwas erschaffen und Erfolge erleben.

Die Jugendlichen vertiefen sich bei der Arbeitstherapie in eine Aufgabe, für die sie handwerkliches Geschick brauchen, und lernen dabei etwas Neues dazu. Am Ende haben sie etwas gebaut oder erreicht, das sie anfassen oder erleben können. Solche haptischen Erfolgserlebnisse sind wichtig – gerade dann, wenn die geistigen Fähigkeiten der Patientinnen und Patienten durch psychische Probleme eingeschränkt und die Erfolge in diesem Bereich selten geworden sind.

Ein Mann erklärt einer jungen Frau etwas, die gerade mit einem Pinsel und Wasserfarben ein Bild malt.

Die Patientinnen und Patienten können sich handwerklich und kreativ ausprobieren und dabei auch vieles über sich selbst lernen.

Dieses Prinzip gilt ebenfalls für die Förderung kreativer Fähigkeiten, in der die Kinder und Jugendlichen dazu ermuntert werden, sich individuell, frei und ohne Bewertung mit Farben, Formen, Flächen oder Strukturen auszudrücken. In der Heilpädagogik werden darüber hinaus in unterschiedlich gestalteten Spiel- und Handlungssituationen die Feinmotorik, Mengen- und Raumorientierung und die Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen gefördert. Um für die Patientinnen und Patienten die individuell besten Behandlungspläne zu entwickeln, arbeiten die Expertinnen und Experten in den Fachtherapien seit dem Jahr 2014 noch enger zusammen: Arbeits-, Ergotherapie und Heilpädagogik sind unter der Bezeichnung „FIT“ seither zu einer Einheit zusammengefasst. Die Abkürzung steht für „Fertigkeiten- und Interaktionszentrierte Therapien“.

Weitere Therapieangebote sind die Psychomotorik (dir wir in einem umfassenden Artikel und mit einer Audioslideshow in diesem Blog bereits vorgestellt haben) und die tiergestützte Therapie. Letztere regt vor allem die sozialen Fähigkeiten der Patientinnen und Patienten an: Folgt mir der wasserscheue Esel über die Brücke? Trete ich selbstsicher und freundlich genug auf, damit er mir vertraut? Was muss ich tun, damit der Hund auf meine Kommandos hört?

Auf einer Wiese stehen eine blonde Frau und zwei junge Mädchen, die jeweils einen Esel und ein Pony am Strick führen.

Therapietiere spiegeln deutlich, was ihnen passt und was nicht – und zeigen zugleich bedingungslose Zuneigung.

Manchmal sind es auch die Schmuseeinheiten mit Hängebauchschwein, Kaninchen, Katze, Hund & Co., die den Kindern und Jugendlichen besonders gut tun, weil die Tiere beinahe bedingungslose Zuneigung zeigen. Sie lassen sich geduldig streicheln und sorgen so für ein Gefühl des Angenommen-Seins bei den jungen Menschen – für viele ist das eine ganz neue Erfahrung.