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MARTIN HOLTMANN ERKLÄRT #1: Veranlagung, Familie, Umwelt: Der „systemische Ansatz“ der LWL-Uniklinik Hamm

Psychische Krankheiten entstehen nie „einfach so“ und nie isoliert. Sie erwachsen aus einem komplexen Wechselspiel zwischen Veranlagung, Familie und Umwelt. Einerseits beeinflussen also unsere Gene, was für eine Entwicklung wir vollziehen, andererseits prägen uns auch die Menschen stark, mit denen wir schon in der frühesten Kindheit ständig zusammen sind. Ob das Mutter, Vater, Geschwister, Oma, Opa, Onkel oder Tante sind, ist fast egal – entscheidend ist, wer von ihnen uns besonders viel mit auf den Weg gibt, im Positiven wie im Negativen.

Der Ärztliche Direktor der LWL-Uniklinik Hamm, Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann.

Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann ist der Ärztliche Direktor der LWL-Uniklinik Hamm.

Nicht zuletzt bestimmt auch die soziale Situation, in der ein Mensch aufwächst, auf welchen Lebensweg sie oder er sich begibt. Dazu zählt zum Beispiel die Bildungsschicht, aber auch die Herkunft, der Freundeskreis oder die finanzielle Situation der Familie. In der Fachsprache sprechen wir daher von einem „bio-psycho-sozialen“ Modell, in dem jeder einzelne Mensch lebt. Dieses Modell prägt uns und beeinflusst unsere Entwicklung sehr stark.

Alle diese Faktoren können Chance, aber auch Belastung sein. Es ist daher sehr wichtig für den Erfolg einer Therapie, dass wir das in jedem Einzelfall neu verstehen und daraus einen jeweils individuellen „Behandlungsfahrplan“ entwickeln. Wir stellen uns und unseren Patientinnen und Patienten deshalb solche Fragen wie: Wer im Umfeld des Patienten oder der Patientin kann hilfreich, kann ein „Verbündeter“ sein? Wo gibt es besonders schwierige Konstellationen? Wen können wir noch mit ins Boot holen – Sozialarbeiter, Lehrer, Freunde, Verwandte?

Genau das verbirgt sich hinter dem „systemischen Ansatz“, den wir hier in Hamm verfolgen: Wir schauen nicht nur auf die einzelne Person als isolierten Menschen, sondern auf das gesamte System, in dem sie oder er lebt.